Krippe

Der Übergang von der Familie in die Kinderkrippe (Eingewöhnung)

Die Bedeutung des Wortes „Bindung“ für ein Krippenkind?

„Bindung“ gibt dem Kind Orientierung und emotionale Sicherheit in seinem Leben. Daher ist es auf eine verlässliche und konstante Bindungsperson angewiesen. Im ersten halben Jahr seines Lebens entwickelt es diese feste Bindung unter normalen Umständen zu einer Person, meistens die Mutter.
Für den weiteren Lebensweg des Kindes ist diese Bindung u.a. die emotionale Grundlage für Beziehungsfähigkeit, Vertrauen, Selbstvertrauen, Bodenständigkeit, innere Ruhe, etc. Diese vertrauensvolle Bindung gibt dem Kind ein emotionales Wohlgefühl und ist die Basis für Aktivität, Entwicklung, Lernen und Bildung.

Bin ich sicher gebunden, mache mich auf in die Welt! …
Habe ich Bindung, kann ich explorieren! (vgl. Bowlby)

Kinder brauchen daher die Möglichkeit, sich auf eine neue Beziehung mit der Erzieherin einzulassen. Diese wichtige Phase nennen wir
„die Eingewöhnungszeit des Krippenkindes“ und gestalten diese wie folgt.

PINGUINE UND KRABBEN

Wir geben dem Kind mindestens zwei Wochen Zeit, sich langsam bei uns einzugewöhnen. In diesem wichtigen Prozess wird das Kind (möglichst) konstant von einer vertrauten Bindungsperson (Mutter, Vater, oder andere vertraute Personen) begleitet. Zugleich kümmert sich eine Erzieherin um das Kind und seine begleitende Bindungsperson intensiv.

Wir unterteilen diese Eingewöhnungszeit in folgende Phasen:

Grundphase (ca. 3 Tage)
Die Mutter/ der Vater kommt mit dem Kind zusammen in die Einrichtung. Sie bleiben ca. 1 Stunde zusammen im Gruppenraum und nehmen danach das Kind wieder mit nach Hause. In den ersten drei Tagen KEIN Trennungsversuch!

Erster Trennungsversuch ( 4.-6. Tag)
Einige Minuten nach der Ankunft im Gruppenraum verabschiedet sich Mutter/ Vater vom Kind, verlässt den Raum und bleibt in der Nähe. Erzieher/in kümmert sich, versucht abzulenken, auf es einzugehen und es zu trösten. Weint das Kind, kehrt die Bindungsperson sofort zurück in den Raum.
Die Phase endet mit einer vorläufigen Entscheidung über die weitere Dauer der Eingewöhnungszeit.

Stabilisierungsphase
Nach den ersten Trennungsversuchen wird entschieden (im Sinne des Kindes), ob eine kürzere (6 Tage) oder eine längere Eingewöhnungszeit (2-3 Wochen) wichtig ist.
Kürzere Eingewöhnungszeit (6 Tage)
Die Zeiträume im Gruppenraum ohne Mutter/ Vater werden vergrößert.
Mutter/ Vater bleiben aber in der Einrichtung.
Längere Eingewöhnungszeit (2-3 Wochen)
Erst ab dem 7. Tag findet ein erneuter Trennungsversuch statt. Erst wenn die Erzieherin das Kind dabei trösten kann, werden in den nachfolgenden Tagen die
Zeiträume im Gruppenraum ohne Mutter/ Vater vergrößert. Mutter/ Vater bleiben aber in der Einrichtung.

Schlussphase
Die Mutter/ der Vater hält sich nicht mehr in der Einrichtung auf, ist jedoch jederzeit erreichbar, falls die Tragfähigkeit der neuen Beziehung zur Erzieherin noch nicht ausreicht, um das Kind in besonderen Fällen aufzufangen.

Unser Ziel ist es, in Kooperation mit den Eltern, dem Kind das Vertraut werden mit uns, der Einrichtung und den Kindern langsam und angemessen zu ermöglichen. Es soll Sicherheit und Orientierung dadurch erfahren, dass eine vertraute Bindungsperson ihm dabei zur Seite ist. Abgeschlossen ist die Eingewöhnung, wenn die Erzieherin vom Kind als sichere Beziehungsperson akzeptiert wird und es sich von ihr trösten und beruhigen lässt.

Eine gelungene Eingewöhnung,
Hand in Hand mit den Eltern,
ist entscheidend für die gesunde Entwicklung des Kindes
(Gantzler 2008)

In einem Erstgespräch mit den Eltern erklären wir unser Modell für die Eingewöhnungszeit und besprechen außerdem mit den Eltern:

  • die Sorgen, Befürchtungen bzgl. der Trennung vom Kind.
  • wie alle Erwachsenen positiv für das Kind aktiv sein können
  • wir uns gut abstimmen können, um dem Kind gemeinsam Sicherheit zu vermitteln
  • dass es wichtig ist, dass sie sich diese Zeit nehmen, um ihr Kind zu begleiten
  • dass sie ihrem Kind Zeit lassen, sich zu trennen und einzugewöhnen
  • wie sie sich verhalten sollten, wenn sie das Kind in der Krippe begleiten

(z.B. Sie sind der „sichere Hafen“ für ihr Kind. Bitte verhalten Sie sich grundsätzlich passiv und lassen sie ihr Kind (und andere Kinder) alleine spielen! Halten Sie einen lockeren Blickkontakt und ermuntern Sie Ihr Kind durch Blicke oder Gesten, sich in die neue Umgebung zu trauen. Lassen Sie jederzeit zu, dass es sich für einen Moment wieder bei Ihnen ausruhen möchte.)

Wir empfehlen den Eltern, das Krippenkind schon im Vorwege auf die Trennungssituation und Eingewöhnungszeit vorzubereiten. Sie unterstützen das Kind, wenn sie das „sich trennen können“ üben. Wir schlagen Eltern z.B. vor.

  • Besuche von Krabbelgruppen (Spielgruppen)
  • Besuche von Spielplätzen
  • Kontakte zu anderen Kindern zu pflegen
  • Kurze Trennungsversuche bei bekannten Personen zu probieren
  • Schlüsselsituationen, wie z.B. wickeln, füttern o.ä. von bekannten Personen (mit) ausführen zu lassen

Übergang Krippe in die Elementargruppe

Die Übergangsphase von der Krippe in die Kita:

  • die Krippenkinder die Kita, nach Absprache, besuchen können ( Spielplatz, Freispiel, Morgenkreis)
  • das eine Kitaerzieherin oder einige Kitakinder zu Besuch in die Krippe kommen
  • zu einzelnen Festen der Kita einzelne große Krippenkinder eingeladen werden.
  • das Kind, welches in die Kita wechselt wird verantwortungsvoll von einer Krippenkollegin begleitet wird